Digitale Netzwerke schaffen

Physische und virtuelle Hubs für die Weiterentwicklung digitaler Ökosysteme in Partnerländern

Die digitale Transformation verändert weltweit die Interaktion von Individuen, Gesellschaften und Staaten. Der Nutzen von digitalen Technologien und Methoden ist vielfältig. Sie tragen dazu bei, Wissen zugänglich zu machen, neue Austauschmöglichkeiten zu eröffnen, neue Märkte und Kooperationsmöglichkeiten zu erschließen sowie die Archivierung, Verwaltung und Aufbereitung von Daten effizienter und transparenter zu gestalten. Insofern spielt die digitale Transformation auch in der Entwicklungszusammenarbeit in den verschiedenen Bereichen zunehmend eine wichtige Rolle. Die Förderung und Verbreitung von Digitalisierung ist daher ein eigenständiges entwicklungspolitisches Ziel, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit seinen Partnern in besonderer Weise verfolgt.

Gleichzeitig gibt es neue Herausforderungen und Risiken für die Entwicklungszusammenarbeit (EZ)  und die Partnerländer , die es zu meistern gilt. Aufgrund des ungleichen Zugangs verschiedener Bevölkerungsgruppen zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind digitale Klüfte entstanden – zwischen Frauen und Männern, Stadt und Land, sozialen Schichten. Dies bedeutet für diese Bevölkerungsgruppen einen erheblichen Wettbewerbsanteil in einer globalisierten Welt. Neben der Individualbevölkerung sind viele Partnerländer kommerziellen und geopolitischen Interessen im digitalen Raum zum Teil ohne Gegenmittel, Verhandlungsspielraum und Know-how zu komplexen Spezialthemen ausgeliefert. Noch fehlen vielerorts faire und nachhaltige Angebote – so haben z.B. knapp 30 afrikanische Länder keine Datenschutzgesetzgebung.

Unser Ansatz

Über die Digitalzentren werden diese Herausforderungen adressiert und demokratische und partizipative Prozesse zur Stärkung der lokalen Strukturen, der Wirtschaft und Gesellschaft in den Vordergrund gestellt. Entlang der BMZ-Digitalstrategie und des Handlungsfelds der Förderung von lokalen Innovationen, stellen Digitalzentren Anknüpfungsstrukturen in den Partnerländern des BMZ bereit. Hier werden Innovation, technisches Know-how, Teilhabe, IT-Wissen, Forschung und Gründergeist gebündelt. Zusätzlich teilen die lokal und regional operierenden Zentren ihre Erfahrungen in einem globalen Netzwerk. Dadurch können sie auf die sich fortlaufend ändernden Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung schnell und bedarfsgerecht reagieren.

Digitalzentren arbeiten mit einer modularen Struktur nach dem Baukasten-Prinzip. Es können bis zu neun Module aufbauend auf bereits bestehenden Ansätzen unter Berücksichtigung der länderspezifischen Gegebenheiten miteinander kombiniert werden. Dieser Aufbau ermöglicht die Konzeption und zentrale wie dezentrale Umsetzung zugeschnitten auf die Bedürfnisse und „digital readiness“ im Partnerland.

Gemäß der Vision der Digitalzentren verfolgen alle Module einen „Digital Inclusion by Default“ Ansatz, und damit das Ziel der Bewältigung sozialer Fragen des digitalen Wandels, der Erleichterung des Zugangs zu und der Nutzung von digitalen Technologien für marginalisierte Gruppen, sowie der Verringerung von digitalen Klüften.

Anders als privatwirtschaftliche Angebote, die meist Elitenförderung betreiben, adressieren die  BMZ-Digitalzentren auch die Förderung von Frauen und Mädchen sowie von der digitalen Kluft betroffene Bevölkerungsgruppen. Ebenso arbeiten die Digitalzentren mit neuen politischen Partnern, wie IKT- und Digitalministerien, Tech-Unternehmen sowie dem digitalen Ökosystem auch länderübergreifend zusammen, um nachhaltige und breitenwirksame Weichen der digitalen Transformation in den Partnerländern zu stellen.

Unser Ziel

Unser Ziel ist die nachhaltige Stärkung lokaler, digitaler Ökosysteme. Hierbei muss eine Balance zwischen sozialer und politischer Verantwortung, ökologischem Gleichgewicht und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit hergestellt werden. Nur so wird es heutigen Generationen ermöglicht, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne dabei nachfolgende Generationen zu gefährden. Die digitalen Kompetenzen und Fähigkeiten in unseren Partnerländern müssen so gestärkt werden, dass sie die digitale Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft selbst gestalten können.

Diese Nachhaltigkeit ist nur dann zu erreichen, wenn der kontinuierliche Veränderungsprozess durch echte Ko-Kreation aller Subsysteme (Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft) stetig entwickelt und gestaltet wird. Dafür benötigt es gute politische, rechtliche, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, aktive Netzwerke, leistungsfähige Organisationen und Institutionen sowie kompetente Individuen.

Wir verstehen digitale Transformation im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit als einen gemeinschaftlichen Lernprozess, der sowohl für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit als auch für ihre Partnerinnen und Partner einen Mehrwert bringt. Capacity Development ist dabei der Schlüssel zum Erfolg.

Um dieses Zielbild zu erreichen wird das Netzwerk der BMZ Digitalzentren in den kommenden Jahren kontinuierlich erweitert. Dabei wird im besonderen Maße auf die digitalen Ökosystempartner und jeweiligen Zielgruppen eingegangen. Mit diesen werden zum Beispiel digitale Tools und digitale Ansätze entwickelt und skaliert, sowie zum digitalpolitischen Diskurs informiert, um ein nachhaltiges digitales Ökosystem im lokalen Partnerkontext zu sichern.

Digitalzentren unterstützen die Arbeit von Fairwork

Um den prekären Arbeitsbedingungen in der Gig-Economy entgegenzuwirken, engagieren sich die Digitalzentren als Unterstützer von Fairwork. Über Plattformen wie Uber, Deliveroo und zahlreiche andere generieren viele Menschen ihr lebensnotwendiges Einkommen. Da es im digitalen Raum jedoch oft wenig Schutz durch nationale Arbeitsrechte oder durch kollektive Institutionen gibt, sind viele Plattformbeschäftigte mit unfairen und gefährlichen Arbeitsbedingungen konfrontiert.

Als Fairwork-Unterstützer setzen wir uns für eine gerechte Gig-Economy ein. Das Fairwork Projekt bewertet die besten und schlechtesten Praktiken in der Plattformökonomie und unterstützt so die Entscheidungsfindung bei der Einführung besserer und fairer Regeln. Die Arbeit von Fairwork unterstützt damit direkt die Arbeit aller Digitalzentren, die nicht nur mit der Privatwirtschaft, sondern auch mit staatlichen Stellen an einer menschenzentrierten digitalen Transformation arbeiten.

Mit unserer Zusammenarbeit setzen wir ein klares Zeichen und ermutigen andere Organisationen, die Gig-Economy zu einem gerechteren und sichereren Arbeitsumfeld zu machen.

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