Um Digitalisierungsziele zu erreichen, müssen Staaten eine übergreifende digitale Strategie oder Agenda entwickeln. Digitalstrategien gestalten den digitalen Transformations- und Entwicklungsprozess und legen gleichzeitig auf den regionalen oder lokalen Kontext zugeschnittene Ziele und Vorgaben sowie Maßnahmen und politische Empfehlungen fest.

Sie sollten alle Bereiche der Digitalisierung umfassen und auf der Grundlage einer SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) entwickelt werden, die den Digitalisierungsgrad des jeweiligen Landes oder der Region bestimmt.

In einem Interview mit Tomas Lamanauskas, mittlerweile gewählter Stellvertretender Generalsekretär der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), untersucht Geraldine de Bastion (Konnektiv) „Policy as a Process“. Die folgenden Ausschnitte stammen aus einem Interview, welches vor der Wahl zum stellvertretenden Generalsekretär der ITU stattfand.

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Eine umfassende Digitalstrategie ebnet so den Weg für einen detaillierten Aktionsplan und hierauf aufbauende Policies.

Dieser Artikel stellt beispielhaft zwei regionale Digitalstrategien vor, die den Weg für die kontinentale digitale Transformation und Zusammenarbeit bereiten: die der Europäischen Union (EU) und der Afrikanischen Union (AU).

 

Gestaltung der Digitalen Zukunft Europas

Die Digitalstrategie der EU ‚Ein Europa für das digitale Zeitalter‚ gehört zu den sechs Prioritäten der Europäischen Kommission für den Zeitraum 2019-2024. Ihr Ziel ist es, eine digitale Transformation bewusst zu gestalten, die den Menschen zugutekommt und gleichzeitig die Werte der EU schützt. Dies wird von der EU als „menschenzentrierte Digitalpolitik“ bezeichnet. Die Digitalstrategie der EU erkennt die Bedeutung und die weitreichende Integration digitaler Technologien in der heutigen Zeit an und versucht, die digitale Transformation mit den europäischen Klimazielen bis 2050 zu verbinden.

Nach Angaben der Europäischen Kommission verfolgt sie drei Ziele:

  • Technologie im Dienste der Menschen
  • Eine faire und wettbewerbsfähige Wirtschaft
  • Eine offene, demokratische und nachhaltige Gesellschaft

 

Die Digitalstrategie der EU zielt auch darauf ab, die EU als weltweit führende Akteurin der digitalen Transformation zu positionieren. Weiterhin verfolgt die EU das Ziel, Länder des globalen Südens bei der digitalen Transformation zu unterstützen und digitale Standards festzulegen. Die enge Zusammenarbeit der EU mit der AU ist ein Beispiel hierfür.

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Die Digital Transformation Strategy for Africa (2020-2030)

Das Potenzial des afrikanischen Kontinents macht eine umfassende Strategie für die digitale Transformation besonders notwendig. Die Digital Transformation Strategy for Africa (DTS) geht von dieser Prämisse aus und möchte eine „integrierte und integrative digitale Gesellschaft und Wirtschaft in Afrika erreichen, die die Lebensqualität der afrikanischen Bürger*innen verbessert, die bestehende Wirtschaft stärkt, ihre Diversifizierung und Entwicklung ermöglicht und die Eigenverantwortung des Kontinents sicherstellt, wobei Afrika in der globalen Wirtschaft als Produzentin und nicht nur als Konsumentin auftritt“. Darüber hinaus besteht das Ziel der DTS darin, digitale Technologien zu mobilisieren und zu nutzen, um ein inklusives Wirtschaftswachstum zu erreichen und gleichzeitig Arbeitsplätze zu schaffen, Armut zu beseitigen und die digitale Kluft zu verringern. Das Streben nach einer soliden digitalen Transformation in Afrika soll zur Agenda 2063 und den SDG beitragen.

Die DTS hat folgende Säulen als Basis:

  • Förderliches Umfeld
  • Politik und Regulierung
  • Digitale Infrastruktur
  • Digitale Kompetenzen und menschliche Kapazitäten
  • Digitale Innovation und Unternehmertum

Die afrikanische DTS definiert sechs Sektoren (digitale Industrie, digitaler Handel und Finanzdienstleistungen, Digital Governance, digitale Bildung, digitale Gesundheit und digitale Landwirtschaft) als kritische Sektoren, die den digitalen Wandel in Afrika vorantreiben sollen. Außerdem werden Querschnittsthemen (digitale Inhalte und Anwendungen, digitale ID, neu entstehende Technologien, Cybersicherheit, Schutz der Privatsphäre und persönlicher Daten sowie Forschung und Entwicklung) genannt, die das digitale Ökosystem unterstützen sollen.

 

Digitalpartnerschaft zwischen AU und EU

Die Afrika-EU-Partnerschaft besteht seit 2000 und dient als Ausgangspunkt für eine intensive Zusammenarbeit zwischen der EU und der AU. Diese Kooperation war ein entscheidender Aspekt bei der Ausarbeitung der Digitalstrategie der AU. Die AU hat viele Empfehlungen aus dem Bericht der AU-EU Digital Economy Taskforce (DETF) in ihre eigene Strategie zur digitalen Transformation übernommen. Die vier Hauptpunkte des DETF-Berichts (Konnektivität, digitale Fertigkeiten, digitales Unternehmertum und elektronische Dienste, einschließlich elektronischer Verwaltung, elektronische Gesundheitsdienste, elektronischer Handel und elektronische Identifizierung) überschneiden sich mit denen des digitalen Kompasses der EU. Ein gemeinsames Ziel ist die Schaffung eines digitalen Binnenmarktes jeweils auf beiden Kontinenten. So haben beide Unionen bereits mit der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen für einen Digital Single Market (DSM) begonnen.

Der D4D-Hub ist ein Projekt der Afrika-EU-Partnerschaft. Darüber hinaus teilt die EU ihre Erfahrungen beim Aufbau ihres eigenen DSM und unterstützt durch die Initiative für Politik und Regulierung (PRIDA).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die afrikanisch-europäische Zusammenarbeit sowohl von der AU als auch von der EU als entscheidend angesehen wird, um die Ziele der digitalen Transformation in Afrika zu erreichen.

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