Von Gender Gap zu Game Changer: So bringt Togo Frauen in die digitale Wirtschaft

Die digitale Transformation verändert weltweit Wirtschaft und Gesellschaft, doch nicht alle profitieren gleichermaßen davon. Frauen bleiben im Tech-Sektor deutlich unterrepräsentiert. In Togo zeigt das Projekt ProDigiT, wie sich das ändern lässt: Es fördert Frauen gezielt und eröffnet Wege in digitale Berufe und Selbstständigkeit. Das stärkt auch die Wirtschaft.

Nur etwa 23 bis 30 Prozent der IT-Fachkräfte in Subsahara-Afrika, einschließlich Togo, sind Frauen. Ursachen sind unter anderem zu wenige Ausbildungsmöglichkeiten, gesellschaftliche Erwartungen und fehlende Vorbilder. ProDigiT greift das auf und verbessert gemeinsam mit dem togolesischen Digitalisierungsministerium (MESPTN) und der nationalen Digitalagentur (Agence Togo Digital, ATD) den Zugang von Frauen zur digitalen Wirtschaft unter anderem durch Workshops, Trainings und Kooperationen mit Unternehmen.

 

Fit für die digitale Zukunft: Skills, die wirklich zählen

In Trainings und Workshops lernen Teilnehmerinnen digitale Grundlagen, stärken ihre Datenkompetenz und erwerben Wissen zu Zukunftsthemen wie Cybersicherheit. Gleichzeitig werden relevante Soft Skills, wie Selbstvertrauen, Führungsfähigkeit und Verhandlungskompetenz gefördert.

© GIZ

Ein Vorteil des Projekts ist die konsequente Inklusion von Beginn an. Frauen wirken an der Gestaltung der Angebote mit und bringen ihre Perspektiven ein. So werden Alltagsbarrieren früh erkannt und gezielt aufgegriffen – etwa durch hybride Lernangebote und zeitlich anpassbare Kursmodelle, die eine Teilnahme auch bei familiären oder beruflichen Verpflichtungen ermöglichen. Inhaltlich fokussiert sich das Programm auf Branchen, in denen Frauen bereits aktiv sind oder die besonders stark wachsen, etwa im Bereich E-Commerce.

ProDigiT: Drei Handlungsschwerpunkte

Kompetenzaufbau für Frauen im Bereich digitale Kompetenzen

Unterstützung für von Frauen geführte Tech-Start-ups und Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen

Öffentlich-private Zusammenarbeit zur Schaffung echter Chancen

Von der Theorie in die Praxis: echte Erfahrungen im digitalen Arbeitsmarkt

 Um Frauen den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern, arbeitet das Projekt eng mit Unternehmen, Frauenverbänden und öffentlichen Partnerorganisationen zusammen. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Togo DataLab, dort absolvieren Teilnehmerinnen Praktika in der Datenanalyse oder Webentwicklung.

Dieser Praxisbezug prägt weitere Formate, wie Innovationswettbewerbe, in denen die Teilnehmerinnen eigene Ideen bis zum Prototyp entwickeln. So wenden sie ihr Wissen direkt an, lernen den Arbeitsalltag kennen und knüpfen Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern.

Dieses Programm hat mir nicht nur technische Fähigkeiten vermittelt; es hat mir Selbstvertrauen gegeben und ein professionelles Netzwerk, das ich zuvor nicht hatte.

Teilnehmerin, Projekt ProDigiT

Neben dem Einstieg in ein Angestelltenverhältnis, eröffnet ProDigiT auch Wege in die Selbstständigkeit. Das Projekt unterstützt gezielt Frauen bei der Gründung von Tech-Start-ups oder kleine und mittlere Unternehmen. Mentoring, Beratung zur Geschäftsentwicklung und mehr Sichtbarkeit helfen, aus Ideen tragfähige Unternehmen zu entwickeln.

Die Unterstützung hat mir geholfen, aus einer Idee ein strukturiertes Unternehmen zu machen. Ernst genommen zu werden, auch als Gründerin, macht den Unterschied.

Unternehmerin aus Kara, Togo, und Teilnehmerin am Projekt ProDigiT

Frauen stärken heißt die Wirtschaft stärken

Die Erfahrungen aus Togo zeigen: Digitale Teilhabe entsteht nicht von selbst, sie muss aktiv gestaltet werden. Entscheidend ist, Frauen von Anfang an einzubeziehen, technische und persönliche Kompetenzen sinnvoll zu verbinden und konkrete Wege in den Arbeitsmarkt oder die Selbstständigkeit zu eröffnen. So entstehen Angebote, die tatsächlich zur Lebensrealität der Teilnehmerinnen passen.

Dabei geht es um mehr als individuelle Chancen. Wenn mehr Frauen digitale Fähigkeiten erwerben und in digitale Berufe einsteigen, wächst nicht nur der Fachkräftepool, auch die Wirtschaft profitiert. Diversere Teams mit unterschiedlichen Perspektiven erkennen früher, was Menschen wirklich brauchen, und entwickeln Produkte und Dienstleistungen, die besser zu ihren Bedürfnissen passen. Das stärkt die Innovationskraft und fördert nachhaltiges Wachstum in der digitalen Wirtschaft. So wird aus Teilhabe ein echter Wachstumstreiber.