Digitale Messsysteme, automatisierte Prozesse und ein weltweites Netzwerk. Über zwei Jahre arbeiteten nationale Metrologieinstitute gemeinsam an digitalen Lösungen – von Webportalen bis zu Kalibrierzertifikaten. Was sie dabei gelernt haben und wie internationale Zusammenarbeit das Messwesen fit für die Zukunft macht, zeigt das globale CABUREK-Programm.
Der digitale Wandel verändert nicht nur Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch die Metrologie, die Wissenschaft des Messens. Metrologieinstitute spielen eine zentrale Rolle innerhalb des Systems aus Institutionen, Standards und Dienstleistungen, die sogenannte Qualitätsinfrastruktur (QI), die die Qualität und Sicherheit von Produkten und Prozessen sicherstellt und damit Handel, Wettbewerbsfähigkeit und Verbraucherschutz unterstützt. Damit diese Aufgaben auch in einer zunehmend digitalisierten Welt erfüllt werden können, arbeiten nationale Metrologieinstitute weltweit daran, ihre Arbeitsabläufe, Infrastrukturen und Dienstleistungen zu modernisieren.
Viele Institute stehen dabei vor großen Herausforderungen. Häufig sind Prozesse noch papierbasiert, digitale Strategien fehlen und technische Kapazitäten sind begrenzt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Daten müssen effizienter genutzt und geteilt, Dienstleistungen digital bereitgestellt und internationale Standards erfüllt werden. Digitalisierung bedeutet dabei weit mehr als die Übertragung analoger Abläufe in digitale Formate. Prozesse müssen grundlegend neu gedacht und aufeinander abgestimmt werden, um die Potenziale digitaler Technologien sinnvoll zu nutzen.
CABUREK bot eine einzigartige Gelegenheit, die digitale Transformation in der Metrologie zu beschleunigen, sich mit internationalen Experten zu vernetzen und globale Standards und Lösungen anzuwenden.
Genau hier setzte das globale CABUREK-Programm an. Im Rahmen des BMZ-geförderten Projekts „Entwicklung von Grundlagen für eine digitale Messinfrastruktur in BMZ-Partnerländern“ (Metrology for Digital Transformation in International Cooperation – M4DT-IC) unterstützte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) nationale Metrologieinstitute weltweit dabei, ihre digitale Transformation voranzubringen und digitale Kompetenzen und Dienstleistungen zu entwickeln.
CABUREK („Capacity Building in Technical and Scientific Organizations Using Regional Experience and Knowledge“) ist eine von der PTB entwickelte Projektmethodik, die auf Wissensaustausch, internationale Zusammenarbeit, Netzwerkaufbau und die enge Einbindung von Anwender*innen setzt. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahren arbeiteten die Teilnehmenden in internationalen Arbeitsgruppen an eigenen nationalen Digitalisierungsprojekten und wurden dabei von erfahrenen Expert*innen verschiedener Institute begleitet.
Das Programm hat praktische Werkzeuge sowie ein starkes berufliches Netzwerk bereitgestellt und die Entwicklung elektronischer Verifizierungszertifikate im Einklang mit internationalen Best Practices zukunftsorientiert unterstützt.
Gemeinsam erarbeiteten die Teilnehmenden unter anderem strategische Pläne für zehn nationale Metrologieinstitute, Pilotprojekte zur Prozessautomatisierung, Webportale sowie neue Ansätze zur Einbindung von Interessengruppen. Besondere Fortschritte wurden bei digitalen Kalibrierzertifikaten erzielt. Die Arbeitsgruppe entwickelte DCC-Lösungen im XML- und PDF-Format, darunter PDF-Dokumente mit eingebettetem XML und QR-Codes zur Authentifizierung. Darüber hinaus dokumentierten die Teilnehmenden Arbeitsabläufe, entwickelten Roadmaps und identifizierten Erfolgsfaktoren sowie mögliche Risiken für zukünftige Digitalisierungsprojekte. Im Rahmen des CABUREK-Prozesses erstellte das M4DT-IC-Projekt zudem Wissensprodukte, sogenannte „Informationsmodule“, die künftig von weiteren PTB-Projektpartnern weltweit genutzt werden können.
Das CABUREK-Programm war eine transformative Erfahrung für die Umsetzung digitaler Lösungen in der Metrologie. Es förderte die Zusammenarbeit, verbesserte die internen Kapazitäten und half dabei, unser Projekt mit den nationalen und internationalen Zielen der digitalen Transformation in Einklang zu bringen.
Mit einem Abschlussworkshop beim Nationalen Metrologieinstitut Thailands (NIMT) im November 2025 in Bangkok endete das Programm offiziell. Zusätzlich zur Präsentation der Projektarbeiten fand ein Sensibilisierungsseminar für nationale Interessengruppen statt, an dem rund 150 Vertreter*innen aus Regierungsstellen, Industrie, Kalibrierlaboratorien und dem NIMT teilnahmen.
Das Programm stärkte nicht nur technische Kompetenzen, sondern förderte auch den Aufbau internationaler Netzwerke und schuf die Grundlage für zukünftige digitale Innovationen in der Metrologie. Denn der Austausch wird auch Projektende fortgeführt: Im neu gegründeten IMEKO TC6 Sub-Komitee „M4DX Network“ werden die Teilnehmenden weiterhin ihre Erfahrungen teilen, voneinander lernen und gemeinsam an der digitalen Zukunft der Metrologie arbeiten.
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