Süd-Süd-Kooperation prägt die Debatten beim AI Impact Summit
Die Kräfteverhältnisse in der globalen KI-Politik verschieben sich. Immer mehr Länder des Globalen Südens setzen auf Zusammenarbeit untereinander – und gewinnen damit an Einfluss. Die sogenannte Süd-Süd-Kooperation entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Instrument, um digitale Souveränität zu stärken und eigene technologische Wege zu gehen.
Im Zentrum dieses Ansatzes stehen gemeinsame Interessen statt Abhängigkeiten. Anstatt sich an etablierten Machtzentren zu orientieren, vernetzen sich Staaten, tauschen Wissen aus und entwickeln eigenständige Lösungen. Besonders in den Bereichen KI-Governance und Regulierung hat diese Dynamik zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen. Neue Allianzen entstehen, die nicht nur Expertise bündeln, sondern auch den Einfluss des Globalen Südens in internationalen Verhandlungen erhöhen.
Ein Beispiel dafür ist das Africa-Asia AI Policymaker Network, das 2022 gegründet wurde. Es vernetzt politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, um Erfahrungen zu teilen und gemeinsame Herausforderungen zu adressieren, wie etwa die Anpassung von KI-Strategien an nationale Kontexte. In kurzer Zeit hat sich das Netzwerk zu einer wichtigen Stimme in globalen KI-Debatten entwickelt. Es fördert den Austausch bewährter Ansätze, unterstützt bilaterale Kooperationen und hilft Ländern dabei, eigene Strategien mit einem klaren Fokus auf einem verantwortungsvollen Einsatz künstlicher Intelligenz zu formulieren.
AI Impact Summit India: Kooperation wird konkret
Wie diese Zusammenarbeit in der Praxis aussieht, zeigte sich beim AI Impact Summit im Februar 2026 in Indien. Dort rückte die Süd-Süd-Kooperation in den Mittelpunkt einer hochrangig besetzten Diskussionsrunde. Unter dem Titel „Developing a collaboration roadmap“ ging es um die Frage, wie sich bestehende Partnerschaften vertiefen und strukturieren lassen. Vorgestellt wurde dabei auch ein gemeinsames AI Policy Playbook, das konkrete Orientierung für den Aufbau nationaler KI-Rahmenwerke bietet.
Bei dem exklusiven Event diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus sieben Ländern, darunter Ghana, Indien und Kenia, über zentrale Handlungsfelder wie Infrastruktur, Datenaustausch, Regulierung und Sicherheit. Ein zentrales Ergebnis: ein Diskussionspapier, das Wege aufzeigt, wie Länder den Schritt vom reinen Anwender hin zum Produzenten von KI-Technologien schaffen können.
Der kontinuierliche Austausch innerhalb des Netzwerks ermöglicht es den Beteiligten, voneinander zu lernen, Fortschritte zu vergleichen und regulatorische Ansätze weiterzuentwickeln. Gleichzeitig bleibt klar: eine Süd-Süd-Kooperation allein reicht nicht aus, um mit der globalen Entwicklung Schritt zu halten. Deshalb sucht das Netzwerk bewusst den Anschluss an internationale Initiativen und Dialoge. Ergänzend dazu wurden mehrere praxisnahe Leitfäden vorgestellt – etwa zu Open-Source-KI, Sprachtechnologien und Datenschutz in Indien. Sie liefern konkrete Werkzeuge für politische Entscheidungsträger und Fachleute, die inklusive und vertrauenswürdige KI-Systeme gestalten wollen.
Fest steht: Süd-Süd-Kooperation ist längst mehr als ein diplomatisches Schlagwort. Sie entwickelt sich zu einem zentralen Baustein digitaler Souveränität und zu einem Hebel, mit dem Länder ihre Rolle in der globalen KI-Governance neu definieren können.
Das Policymaker Network wird gemeinsam getragen vom Global Center on AI Governance, dem Human Sciences Research Council (HSRC) sowie dem GIZ-Projekt FAIR Forward – AI for All, gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).