Mehr als Algorithmen: Menschliche Arbeit hinter KI
KI lebt von Daten – doch erst menschliche Arbeit macht sie möglich. Ob Datenverarbeitung oder Content-Moderation: Digitale Arbeitskräfte tragen die Systeme, die unseren Alltag prägen. Trotzdem bleiben ihre Arbeitsbedingungen meist unsichtbar. Eine neue Publikationsreihe richtet den Blick auf diese oft übersehene Realität im Globalen Süden – und zeigt Wege zu faireren Arbeitspraktiken auf.
Angesichts der rasanten Verbreitung künstlicher Intelligenz (KI) und digitaler Systeme steigt der Bedarf an menschlicher Arbeitskraft hinter den Maschinen. Datenverarbeitung und Content-Moderation sind für das Training und die Wartung von KI-Modellen, Social-Media-Plattformen und anderen digitalen Diensten, wie beispielsweise autonome Fahrzeuge, unverzichtbar. Die Prognose: Bis 2030 wird der weltweite Markt für diese Dienstleistungen 57 Milliarden US-Dollar für die Kennzeichnung von Daten und 22 Milliarden US-Dollar für die Content-Moderation übersteigen.
Trotz ihrer Bedeutung sind viele der Arbeitnehmer*innen, die diese Aufgaben ausführen, prekären Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Datenarbeiter*innen und Content-Moderator*innen arbeiten oft mit befristeten oder informellen Verträgen, die keinen sozialen Schutz bieten. Sie verdienen wenig und sind einem hohen Maß an algorithmischer Überwachung und Leistungsdruck ausgesetzt. Zusätzlich sind sie mit großen Mengen an drastischem und gewalttätigem Material konfrontiert, was zu schwerwiegenden psychischen Problemen wie Angstzuständen, Depressionen, sekundären Traumata und langfristigem sozialem Rückzug führen kann.
Um die Herausforderungen in digitalen Arbeitsbereichen, die Unternehmenspraktiken und die Möglichkeiten gemeinsamer Maßnahmen für faire Arbeitsbedingungen besser zu verstehen, haben das Aapti Institute und die Gig Economy Initiative die Publikationsreihe „Exploring AI Labour in the Global South“ entwickelt.
Die Reihe untersucht, mit welchen Problemen Menschen in digitalen Sektoren wie künstlicher Intelligenz und sozialen Medien konfrontiert sind. Sie vereint Erkenntnisse aus Diskussionsgesprächen mit Interessengruppen, Expert*inneninterviews und bestehender Forschung. Diskutiert wurden Erfahrungen aus Afrika, Südostasien und Südasien.
Gemeinsam zeigen die Berichte, wie globale Outsourcing-Modelle, algorithmisches Management und die Arbeitsbedingungen vor Ort zusammenhängen und sich auf die Arbeitsbedingungen in der digitalen Wirtschaft auswirken. Sie geben einen Überblick über die arbeitsrechtlichen Herausforderungen im Globalen Süden und identifizieren so mögliche Ansatzpunkte für Akteure wie Regierungen und internationale Organisationen.
Die Reihe skizziert politische Handlungsoptionen und präsentiert Best Practices, um künftige politische Diskussionen anzuregen und Initiativen für gerechtere Arbeitsbedingungen digitaler Arbeitskräfte zu unterstützen. Zukünftig sollten politische Maßnahmen angepasst und die relevanten Interessengruppen aktiv einbezogen werden, damit sie als Mitgestalter*innen in digitalen Arbeitsumgebungen – etwa in KI-Wertschöpfungsketten – vertreten sind.