5 Fragen an… Christiane Laibach

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die eigene Rolle in der digitalen Welt selbstständig und selbstbestimmt ausüben zu können. Warum ist das für die Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wichtig?

Laibach: Wir möchten unsere Partner dabei unterstützen, die eigene digitale Transformation sozial und nachhaltig zu gestalten und ihre Potenziale für alle Lebensbereiche zu nutzen, ohne dabei bestehende Ungleichheiten und Abhängigkeiten zu verstärken. Angesichts der dominierenden Marktpräsenz einiger IT-Konzerne und der geopolitischen Interessen führender Weltmächte ist das keine einfache Aufgabe für unsere Partnerländer. Dabei geht es um richtungsweisende Entscheidungen in Bezug auf Handlungs- und Gestaltungsfreiheiten in einer Gesellschaft, z. B. beim Thema Datenschutz und Datensicherheit. In unserer Zusammenarbeit wollen wir werteorientierte und selbstbestimmte Alternativen unterstützen. Das bedeutet insbesondere die Förderung offener, inklusiver und nachhaltiger IT-Ökosysteme und den Ausbau der eigenen Kompetenzen.

Wie steht es denn um die digitale Souveränität der KfW als Institution?

Auch wir als KfW Bankengruppe stehen vor der Herausforderung, unsere Prozesse und Instrumente zu digitalisieren, aber auch alle Kolleginnen und Kollegen bei der digitalen Transformation mitzunehmen. Dafür haben wir verschiedene Initiativen gestartet. Als Bankengruppe haben wir die Transformationsagenda KfWplus ins Leben gerufen, mit der wir uns das Ziel gesetzt haben, uns zu einer digitalen Transformations- und Förderbank weiterzuentwickeln. Auch in der KfW Entwicklungsbank gehen wir neue Wege. So haben wir agile Strukturen aufgebaut, um unsere eigenen Prozesse und Anwendungen gemeinsam mit der IT und den Anwenderinnen und Anwendern zu entwickeln und zu verbessern. Dazu gehören auch Open-Source-Produkte. Der breite Einsatz solcher quelloffenen Systeme ist in einer regulierten Bank allerdings nicht immer einfach.

Was sind wichtige Aspekte von digitaler Souveränität, die von der KfW aktuell im Globalen Süden gefördert werden?

Unser Digitalportfolio wächst seit einigen Jahren beständig und ist mittlerweile 11,4 Mrd. EUR groß*. Es umfasst ganz verschiedene Themen und Finanzierungsinstrumente, zum Beispiel einen Digital Transformation Fonds, den wir gemeinsam mit der westafrikanischen Entwicklungsbank BOAD finanzieren. Aktuell beschäftigt uns die Skalierung von TruBudget, einer Open-Source-Software, die wir im Auftrag des BMZ und im engen Austausch mit unseren Partnern entwickelt haben. TruBudget ermöglicht eine transparente und sichere Steuerung des Einsatzes von Gebermitteln durch die Nutzung von Blockchain-Technologie. Aufgrund der mit TruBudget verringerten treuhänderischen Risiken können Gebermittel über die Partnersysteme abgewickelt werden. Die Partnerländer werden in die Lage versetzt, externe Projektfinanzierungen in ihren eigenen Haushalt zu integrieren und selbst zu verwalten. Das ist ein großer Schritt für mehr digitale und finanzielle Souveränität unserer Projektträger. Wir haben TruBudget auch als sogenanntes „Digital Public Good“ zertifizieren lassen, also als Open-Source-Anwendung, die einen Beitrag zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele leistet.

Welchen Stellenwert haben diese „Digital Public Goods“, die einen offenen Zugang zu Informationen und Technologien bieten können, zukünftig in der Entwicklungszusammenarbeit?

Offene Software-Anwendungen, offene Daten, offene Standards, dies sind alles wichtige Bestandteile der digitalen Souveränität, sowohl in unseren Partnerländern als auch bei uns in Deutschland. Unser Ziel in der Entwicklungszusammenarbeit muss es sein, diese Bestandteile in unseren Projekten zu nutzen und zu fördern, sodass Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen selbstbestimmt im digitalen Raum handeln und entscheiden können. Darüber hinaus müssen wir uns als Entwicklungsbank aber auch Gedanken über eine mögliche nachhaltige Finanzierung von Digital Public Goods machen und uns hierbei in internationale Dialoge einbringen. Vor allem die Frage nach deren nachhaltigem Betrieb ist immer noch nicht international und kohärent beantwortet.

Wie sieht für Sie eine digital souveräne Zukunft aus?

Zusammengefasst bedeutet digitale Souveränität heute und auch in Zukunft, dass digitale Technologien zur Verfügung stehen, verstanden werden und kompetent genutzt werden können. Im Zentrum stehen die Menschen, egal ob bei unseren Projektträgern oder bei uns in der KfW. Nur, wenn sowohl die Kenntnisse als auch die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stehen, ist eine digital souveräne Zukunft möglich.

 

*Stand Oktober 2023