Im Nordwesten Kenias, rund 15 Autostunden von der aufstrebenden Metropole Nairobi entfernt, liegt Kakuma. Einst in den frühen 1990er Jahren als provisorische Notunterkunft vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen gegründet, hat sich das Lager über die Jahrzehnte zu einer der größten Flüchtlingssiedlungen der Welt entwickelt.
Aktuell leben dort rund 300.000 Menschen unterschiedlichster Nationen– sie alle vereint die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch der Weg dorthin ist vielen versperrt. Die Abgeschiedenheit des Lagers und unklare Aufenthalts- und Arbeitsrechtebegrenzen den Zugang zu Arbeit. Um Chancen jenseits traditioneller Arbeitsmärkte zu schaffen, wurde nun vor Ort eine Masterclass für potenzielle Cloud Workers organisiert.
Cloud Workers sind Personen, die online arbeiten, etwa in Bereichen wie Online-Marketing, Web- oder Grafikdesign oder Daten-Labeling und ihre Jobs, so genannte Gigs, über digitale Plattformen beziehen – sie gelten somit auch als Gig Workers. In der Masterclass erfuhren die Teilnehmenden, wie sie trotz ihres komplizierten Aufenthaltsstatus Zugang zu sogenannten Gigs, also kurzfristigen Jobs erhalten und somit etwas Geld verdienen können.
Die Masterclass fand Mitte Februar statt und wurde vom Digitalzentum Kenia und der globalen BMZ-Gig Economy Initiative organisiert. Das UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR) und das ortansässige GIZ_Cluster für Vertreibung und Migration in Kenia stellten die notwendigen Kontakte her und informierten im Vorfeld über die herausfordernden Bedingungen vor Ort.
Insgesamt 34 zukünftige Cloud Workers nahmen an dem Event teil. Darunter neben Bewohner*innen des Camps auch Mitglieder der umliegenden Gemeinden.
Diese zu integrieren, ist in unserer Arbeit zum Standard geworden, denn auch sie haben kein einfaches Leben und dürfen bei Aktionen wie dieser nicht vergessen werden.
Musa Tioko, GIZ-Expertin für Flüchtlinge
Neben der Wissensvermittlung über das Arbeitfeld der Gig Economy, verfolgte die Masterclass das Ziel, die Teilnehmenden zusammenzubringen, um einen Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Lernen zu ermöglichen. „Die Welt da draußen mag uns vergessen haben, die Online-Welt jedoch nicht“, beschreibt die Teilnehmerin Elizabeth Kolor treffend.
Dank Initiativen wie dieser konnte ich Jobs in den USA und Kanada annehmen und das wiederum ermöglicht es mir, mich selbst zu versorgen.
James Solomon, ebenfalls Bewohner aus Kakuma
Die Masterclass machte auch den großen Bedarf an verbesserter Koordinierung und politischen Reformen deutlich: „Die unterschiedlichen Akteur*innen, vor allem der Privatsektor und Regierungsinstitutionenmüssen u besser zusammenarbeiten. Es braucht einen gemeinschaftlichen Ansatz, um Flüchtlinge konsequent in politische Debatten zu integrieren“, fasst Wycliffe Barasa, Managing Director von Resilience Action International, der Berteiberfirma des Camps in Kakuma zusammen.
Er ergänzt: „Die Masterclass hat gezeigt, dass Flüchtlinge sehr wohl zur Gig Economy beitragen können.“ Diese Nachricht weiterzutragen, hat sich auch die Gig Economy Initiative zur Aufgabe gemacht. Sie hat eine ganze Reihe an Weiterbildungs- und Aufklärungsformaten entwickelt, welche sich an die Arbeiter*innen, die Plattformen und politische Entscheider*innen richten.