Mehr als Statistik: Armenien macht Gender-Daten politisch wirksam

© GIZ, Global Project FAST
In Armenien entsteht ein neues Instrument, das Statistik und Politik enger miteinander verbindet. Ziel ist es, geschlechtsspezifische Daten nicht nur zu erfassen, sondern sie gezielt für politische Entscheidungen nutzbar zu machen.

Ein Großteil der Arbeit, die Gesellschaften am Laufen hält, taucht in keiner Statistik auf. Weltweit leisten Frauen rund drei Viertel der unbezahlten Carearbeit. Sie kümmern sich um Kinder, pflegen Angehörige, organisieren den Alltag. Die Folgen sind oftmals: weniger Zeit für Bildung, geringere Einkommen, eingeschränkte berufliche Chancen.

Auch in Armenien tragen Frauen den größten Teil dieser Last. Doch wie stark sich diese Arbeit tatsächlich auswirkt, lässt sich oft kaum belegen. Viele Daten fehlen oder erfassen die Realität nur unzureichend.

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Nun setzt hier ein neues Projekt der BMZ-geförderten Initiativen FAST und Data2Policy an. Gemeinsam mit Partnern vor Ort, entwickeln sie ein Gender-Daten Dashboard, das geschlechtsspezifische Daten nicht nur sichtbar macht, sondern sie in politische Entscheidungen übersetzt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur das Ergebnis, sondern auch der Prozess. Gleichberechtigung ist von Anfang an Teil der Entwicklung.

 

Warum Daten oft ungenutzt bleiben

Armenien erhebt bereits viele relevante Daten, doch diese sind oft schwer zugänglich. Das geplante Dashboard soll Informationen bündeln, verständlich aufbereiten und damit eine Grundlage für fundierte Entscheidungen schaffen.

Bei einem Workshop in Jerewan kamen Vertreter*innen des armenischen Statistikamt ARMstat, verschiedener Ministerien, UN-Agenturen, Wissenschaftler*innen und feministische Aktivist*innen zusammen. Im Zentrum stand eine zentrale Frage: Warum werden vorhandene Gender-Daten so selten politisch genutzt?

Im Fokus standen vier Punkte: ein Verständnis der gemeinsamen Ziele, der Umgang mit vorhandenen Daten, die Anwendung feministischer Prinzipien und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren.

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Zusammenarbeit als Schlüssel

Der Workshop zeigte, wie viel Dynamik entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Ein*e UNICEF-Mitarbeiter*in fasste zusammen: „Viele Teilnehmende verlassen diese Veranstaltung mit der erneuerten Überzeugung, dass sie Feminist*innen sind .“

Auch aus dem nationalen Statistikamt kam eine klare Rückmeldung:

Als Statistikerin habe ich schon immer die Macht der Daten gesehen. Aber diese Schulung hat mir noch etwas anderes gezeigt – Zusammenarbeit und kollektive Wirkung. Ich bin wirklich dankbar. So viele Daten werden nicht ausreichend genutzt, und ich hoffe, dass sich das jetzt ändert.

Lusine Kalantaryan, Leiterin der Abteilung für Arbeitsstatistik bei ARMstat

Von der Idee zur Umsetzung

Das Projekt geht nun in die nächste Phase. FAST und Data2Policy begleitet ARMstat und seine Partner bei der technischen und praktischen Umsetzung der feministischen Leitlinien.

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Dabei entsteht mehr als ein neues Instrument. Das Dashboard macht Lebensrealitäten sichtbar, die bislang oft verborgen bleiben, und rückt strukturelle Ursachen von Ungleichheit in den Fokus.

Der Ansatz ist klar: Wenn Daten gemeinsam erhoben, zugänglich gemacht und gezielt genutzt werden, können sie politische Entscheidungen verändern. Armenien zeigt, wie das gelingen kann.